Mr. & Mrs. Clever wissen, wie man CLEVER UNTERWEGS ist. Und finden auf jede Frage die richtige Antwort.
Hallo Mr. und Mrs. Clever. Stimmt unser Eindruck, dass es fast keine stressfreie Mobilität mehr gibt? Und gibt es Hoffnung auf Besserung? Es gibt leider keine Garantie mehr, in Ruhe unsere Kolumne im „20 Minuten“ zu lesen – wer im öV unterwegs ist, muss sich immer mehr auf einen Kampf um einen Sitzplatz einstellen. Wer mit dem Auto zur Arbeit fährt, tut jeweils gut daran, wegen Staus Zeitreserven einzurechnen. Ja, leider haben Sie Recht: Mobilität ist immer weniger stressfrei zu haben. Und leider nein: Es wird nicht so bald besser. Strasse und Schiene stehen nämlich vor gewaltigen Herausforderungen mit gewaltigen Kostenfolgen. Als Konsens ist gesetzt: Den Bedarf der Strasse – es geht um 65 Milliarden in den nächsten 20 Jahren – zahlen die Autofahrer selbst. Aber wer bezahlt die noch teureren öV-Bedürfnisse? Einfach die Billetpreise immer höher heben, geht auf Dauer auch nicht mehr auf. Wir fänden es nur logisch, wenn der öV die benötigten Abermilliarden aus der allgemeinen Bundekasse erhielte. Doch die Beamtenstäbe in Bern planen anderes: sie holen die Mittel für Infrastruktur, Schienenverkehrswege, neues Rollmaterial und sogar für die Unterstützung der Pensionskassen auch noch gleich bei den Autofahrern. Man muss nicht sehr clever sein, um zu merken: Solche Verkehrspolitik ist zweitens unfair. Und erstens ruinös.
Hallo Mr. und Mrs. Clever. Ihr sprecht hier immer vom Autofahren. Was aber macht den idealen Beifahrer oder die beliebte Beifahrerin aus? Nichtfahrer schweigen, hiess es früher. Diese These ist falsch: Mitfahrer mitreden, finden wir. Umfragen zeigen nämlich: Autofahrer sind gerne mit Andern unterwegs und geniessen stressfreie Konversation – wobei die Betonung auf dem Wort stressfrei liegt! Die Anwesenheit von Mitfahrenden senkt auch das Unfallrisiko – ausser bei Jugendlichen, wo sich ab und an einer am Steuer unter Druck fühlt und zu einem gefährlich flotten Fahrstil wechselt. Nach der Lektüre von Studien und eigener Feldforschung beschreiben wir den idealen Beifahrer so: Er ist weiblich, ist dem Fahrenden bekannt, raucht nicht, ist angeschnallt, macht auf Gefahrenquellen aufmerksam, hilft beim Wegsuchen und ist vor allem eines: gelassen. Das mit der Gelassenheit kriegen aus unserer Erfahrung mitfahrende Frauen tatsächlich besser hin als Männer, die noch auf dem Sitz nebenan aufs Lenkrad fixiert bleiben. Welche Co-Piloten nerven? Schlimm finden wir die ständigen Mitbremser. Dann die verklemmten Festhalter. Auch die Gurtenverweigerer. Unsere rote Karte geht an die übelste aller Kategorien: die nörgelnden Fahrstilkritiker.
Hallo Mr. und Mrs. Clever. Warum ist eigentlich das ewige Thema Gotthard gerade wieder aktuell? Der Gotthard-Strassentunnel muss saniert werden – nicht nur während Sperrnächten, sondern totalsaniert. Es geht um Beleuchtung, Luft, Wasser – sprich um Sicherheit. Die Arbeiten müssen rasch an die Hand genommen werden, nicht wie geplant 2030, sondern bereits zehn Jahre früher. Dies wird zu Totalsperrungen führen, und diese zu Chaos total beim Individualverkehr wie auch beim Transportgewerbe bis weit in unser Mittelland. Statt mal ganz pragmatisch verschiedene Sanierungslösungen anzuschauen, wird rund um den Gotthard wieder mal politische Idealisierung und Illusion gepflegt: Eine zweite Röhre komme nicht in Frage, sagt Bundesbern. Die Idealisierung ist die Umlagerung – die, obwohl politisch verordnet, einfach nicht stattfinden will. Die Illusion ist, dass trotz Bevölkerungswachstum die Mobilitätswünsche in der Schweiz kleiner werden sollten. Die vom Transitverkehr Betroffenen, die Urner, Bündner und Tessiner fordern, jetzt, wo eh saniert werden muss, mit je verschiedenen guten Gründen einen zweiten Strassentunnel. In Beamtenstuben und politischen Zirkeln glaubt man derweil am Mythos Gotthard den Wandel der Zeit und den Fortschritt ausbremsen zu können.
Hallo Mr. und Mrs. Clever. Was sagt eigentlich Ihr zwei zur geplanten Verteuerung der Vignette? Da gibt es natürlich keinen Applaus von uns. Eine Erhöhung von 40 auf neu 100 Franken: das sind ganze 150 Prozent mehr! Können Sie sich andernorts solche Preisaufschläge vorstellen? Kaum. Gar streng möchten wir mit Bundesrätin Leuthard aber nicht ins Gericht gehen. Denn sie befürwortet glaubwürdig eine bedarfsgerechte Strasseninfrastruktur und die Beseitigung von Engpässen auf unseren Nationalstrassen. Ihre Verkehrspolitik konzentriert sich – und das ist neu in ihrem Bundesamt – nicht mehr nur auf die Schiene sondern auch auf die Strasse. Im politischen Deutsch ist die Vignette eine „zweckgebundene Strassenverkehrsabgabe“. Die zusätzlichen Einnahmen sollen den ständig steigenden Kosten für Bau, Betrieb und Unterhalt der Autobahnen zufliessen: Das ist das Plausible an der Preiserhöhung. Aber die Reihenfolge stimmt nicht ganz. Denn in Bundesbern liegen noch drei Milliarden Franken in einer Reservekasse für die Strasse. Bevor diese nicht wie vorgeschrieben „zweckgebunden“ für die Strasse eingesetzt werden, sagen wir Nein zu einer teureren Vignette.
Hallo Mr. und Mrs. Clever. Wo eigentlich soll ich mich melden, wenn ich Fragen oder Frust zu Baustellen auf Autobahnen habe? Lieber Leidensgenosse, wie oft schon haben auch wir uns geärgert über unnötig blockierende Bautätigkeiten auf unseren Autobahnen. Über stauproduzierendes Baustellen-Management. Und wie oft schon blieben Fragen in irgendeinem Amt stecken? Dabei könnte es ja durchaus vorkommen, dass Menschen wie Sie und wir gute Ideen hätten, um das behördliche Baustellengewirr vernünftiger zu halten. Man weiss tatsächlich nicht, wohin sich wenden, wenn einen eine Frage oder ein Frust über unsere zu vielen Staus plagen. Das muss sich ändern, finden wir. Wir fordern, dass für staugeplagte Autofahrerinnen und Autofahrer eine Ombudsstelle gegen Baustellen-Ärger eingerichtet werden soll. Ein Ombudsmann wäre auch die bestgeeignete Person, um Verbesserungsvorschläge von Bürgerinnen und Bürgern zu beurteilen und weiterzuleiten. Unser Vorschlag findet bereits ersten Applaus – und bald muss auch der Bundesrat dazu Stellung nehmen.