Das unentbehrliche Postauto
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Sicherheit durch Kurswagen im «Outback»

Wie kaufen eigentlich die Menschen in Gfellen ein? CLEVER UNTERWEGS hat eine Postautolinie, die fahrplanmässig fährt, besucht. Leute, die dort wohnen und kein Auto besitzen, sind auf den Kurswagen angewiesen. Das bringt nicht nur im Winter Sicherheit.

Wie kommen Leute, welche weitab von jeder Ortschaft mit Einkaufsmöglichkeiten zum Laden? Wie erreichen Schülerinnen und Schüler, aus einem grossen Einzugsgebiet, aber nur einem Schulhaus, ihre Ausbildungsstätte? Wie gelangt ein Bewohner eines abgelegenen Tales ohne Auto in die Arztpraxis oder zum Zahnarzt? CLEVER UNTERWEGS wollte selbst erleben, wie diese Leute die Kurswagen, welche auch die abgelegenen Gebiete erschliessen, zu schätzen wissen.

04_AS_Nutzfahrzeuge_PostautoEs ist kurz nach sieben Uhr. Einzeln oder in kleinen Gruppen strömen die Schüler an die Haltestelle in Entlebuch. Das von Marcel Kaufmann gelenkte, grosse Postauto wird von den Kleinen geentert. Ich frage den Jungen, der sich neben mich gesetzt hat: «Fährst Du jeden Tag so in die Schule?» «Ja wir werden immer gefahren, weil es gefährlich ist, auf der Strasse zu gehen.» Ob er ein Billett habe, will ich wissen. «Ja wir haben alle ein Billet – manchmal wird auch kontrolliert.» Stolz zeigt er mir seinen Fahrschein. Ob die Kinder über Mittag in der Schule bleiben frage ich weiter. «Nein wir werden vom Poschi abgeholt und am Nachmittag wieder gebracht,» sagt er und bereitet sich zum Aussteigen vor, denn zwei Stationen weiter befindet sich das Schulhaus. Während die kleineren Kinder aussteigen, steigen etwas ältere Schüler ein, sie fahren den umgekehrten Weg in das Schulhaus im Dorf.

An der vorletzten Haltestelle wartet ein rund vierjähriger Blondschopf. Marcel Kaufmann lässt die Kleine vorne einsteigen und grüsst, doch sie ist nicht besonders gesprächig und läuft durch den Gang nach hinten. Beim Schulhaus angekommen steigen alle aus, doch Marcel Kaufmann blickt gespannt in den Spiegel. Tatsächlich, nach ein paar Sekunden erscheint das kleine Mädchen aus ihrem «Versteck» im mittleren Bereich des Busses und springt zur Kindergärtnerin, die sie schon erwartet. «Am ersten Tag ist die Kleine nicht ausgestiegen und ich bin wieder weitergefahren, als sie plötzlich auftauchte», erläutert Marcel seine Geduld.

Wanderer und Milchtransport

08_AS_Nutzfahrzeuge_PostautoHoch oben am Glaubenbergpass liegt der Weiler Gfellen auf rund 1020 Meter über Meer. Hier gibt es bloss vier Telefonanschlüsse, einer davon gehört zum Gasthaus. Aber schon auf dem Weg dorthin fällt auf, dass die Häuser weit auseinander liegen – längst nicht alle direkt an der Passstrasse. CLEVER UNTERWEGS ist mit dem Kurs 232 (Entlebuch-Bahnhof ab 7.53 Uhr) und Fahrer Fred Renggli unterwegs. Die Stationen heissen Drei Könige, Marktplatz, Spüelen, Unteregg, Erlengraben, Chilenwald, Finsterwald-Kirche, Lippern, Entlematt, alte Post, Schwändeli und Gfellen. Eine fröhliche Wandergruppe steigt ein und füllt den gelben Wagen restlos.

11_AS_Nutzfahrzeuge_PostautoAm «Marktplatz» rennt eine Frau aus dem Einkaufsladen und begehrt Einlass. Fred öffnet die Tür und bittet die Herrschaften, etwas aufzuschliessen. Dann klettert der 25-Plätzer in gemächlichem Tempo die steile Strasse hoch, der Motor arbeitet unter Volllast. An einer günstigen Stelle lässt Fred einen Personenwagen und ein Motorrad passieren. Bei der Kirche in Finsterwald steigen die ersten Wanderer aus, während die zweite Gruppe bis nach Schwändeli möchte. Fred hält auf der schmalen Strasse an – überholen oder kreuzen sind nicht möglich. Hier im Schwändeli ist keine Beiz, stellt ein Wanderer fest und fragt den Fahrer, ob es irgendwo eine Möglichkeit gebe, Kaffee zu trinken. «Ja» sagt Fred «oben im Gfellen.» Da steigen die Unternehmenslustigen wieder ein und lassen sich vor das Restaurant fahren.

Nach einer kurzen Pause startet Fred wieder zur Talfahrt. Wir fragen wie es im Winter sei, wenn der Glaubenbergpass geschlossen ist. «Da kann ich mich nicht beklagen», antwortet Fred und fährt fort, «schon wenn ich das erste Mal hochfahre, ist die Strasse gesäubert und mit Winterreifen gut befahrbar. Einzig wenn es am Nachmittag plötzlich heftig zu schneien beginnt, kann die Strasse innerhalb von einer halben Stunde fast unpassierbar werden. Wenn ich dann hochfahre und aus irgend einem Grund anhalten muss, gibt es nichts mehr anderes als die Ketten zu montieren. Im vergangenen Winter ist es mehrmals vorgekommen, dass die Strasse innerhalb einer halben Stunde zur Rutschbahn wurde – dann gibt es nichts anderes, als vorsichtig und langsam zu fahren.»

12_AS_Nutzfahrzeuge_PostautoAn der Haltestelle «Unteregg» unweit der «Fuchsschnellen» wartet eine junge Frau und steigt ein. «Monika, möchtest Du an den Bahnhof?» fragt er. «Ja» antwortet sie. Dann meint er trocken zu CLEVER UNTERWEGS. «Jetzt kommt gleich ein Milchlastwagen hoch», obwohl noch weit und breit nichts zu sehen ist. Tatsächlich, vier Kurven weiter unten muss Fred verlangsamen und den Tankwagen passieren lassen. Es wird freundlich gegrüsst – ein tägliches Ritual, denn hier oben kennt man sich.

Nun meistert der Postautokurs noch die letzten Kehren, bevor er wieder am Bahnhof auf 683 Meter über Meer auf seinen Wendeplatz fährt und aussteigen lässt. Rechtzeitig bevor der Zug Bern-Luzern einfährt.

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