CLEVER UNTERWEGS sprach mit Richard Arnold, dem Leiter des Schwerverkehrs Zentrum in Erstfeld. Nach den Antworten über Sinn und Zweck (Teil I) und konkreten Fragen zu den Kontrollen (Teil II) nimmt er jetzt Stellung zu Fragen über die einheimischen Lastenzüge und «Zückerchen», welche den Fahrern geboten werden.
CLEVER UNTERWEGS: Sind die einheimischen Lastwagen, die leer ins Tessin fahren, ebenfalls nicht vom Besuch des SVZ ausgenommen?
Richard Arnold: Nein, auch diese müssen durch das SVZ. Bei der Ausfahrt ist jedoch für die Wagen mit gelbem S auf rotem Grund eine separate Fahrspur vorhanden, so dass diese schneller weiterkommen.
CLEVER UNTERWEGS: Wir haben im vorderen Teil des SVZ Fahrzeuge gesehen, die offenbar hier eine Pause einlegen. Ist das gestattet?
Richard Arnold: Selbstverständlich. Obwohl wir nicht bei allen Chauffeuren beliebt sind, bieten wir ihnen einen Gratisparkplatz, auf dem sie sogar übernachten können. Dazu gibt es eine Tankstelle und ein Restaurant, die von einem Privaten geführt werden. Für die früheren hygienischen Mängel der Autobahn-Warteräume entschuldigen wir uns, indem wir den Fahrern ausreichend Toiletten und Duschen kostenlos zur Verfügung stellen.
CLEVER UNTERWEGS: Das SVZ ist also mehr als eine «Schikane»?
Richard Arnold: Ganz klar. Es hat eine Vorbildfunktion. Die Fuhrunternehmer und Fahrer sollen wissen, dass wir es ernst meinen mit der Verkehrssicherheit. Denn bei der Routinekontrolle werden natürlich auch die Daten auf dem Fahrtenschreiber kontrolliert. Da wird rasch klar, wenn einer die vorgeschriebenen Ruhezeiten nicht eingehalten hat. Die Ausweiskontrolle zeigt auch, wenn ein Schweizer nicht alle vorgeschriebenen Kurse absolviert hat.
CLEVER UNTERWEGS: Ein Lastwagen wurde hier eingehend durchgecheckt und der Fahrer musste ein Bussgeld bezahlen. Hat er noch mehr Nachteile?
Richard Arnold: Nein, im Gegenteil. Der Fahrer erhält einen Rapport, auf dem genau steht, was kontrolliert wurde. So kann er, wenn er in ein paar Tage wieder in eine Stichprobe gerät, geltend machen, dass sein Fahrzeug in Ordnung ist.
CLEVER UNTERWEGS: Wie steht es mit Fahrzeugen mit gefährlicher Ladung, werden die auch hier aufgehalten?
Richard Arnold: Jawohl, auch die müssen bei uns durch. Doch wir haben ein präzises Dispositiv, das vorschreibt, dass nicht zwei Fahrzeuge mit Giftstoffen oder brennbarer Ladung nebeneinander abgestellt werden dürfen. Dazu sind die Fahrspuren so markiert, dass nach jeder zweiten Lastwagenkolonne Wehrdienstfahrzeuge passieren können, selbst wenn der Platz voll gefüllt ist.
CLEVER UNTERWEGS: Sie haben auch Reisebusse erwähnt, die kontrolliert werden. Macht das Sinn?
Richard Arnold: Und ob. Allein bei Stichproben sind in der Schweiz im vergangenen Jahr mehrere Busse kontrolliert worden, bei denen technische Mängel vorhanden waren und der Fahrer viel zu lange am Steuer gesessen hat. Da geht es um Menschenleben, deshalb verstehen wir keinen Spass. Allerdings werden Busse in der Regel nur in den Randzeiten oder Nachts kontrolliert.
CLEVER UNTERWEGS: Was passiert, wenn ein Lastwagen die Ausfahrtshinweise missachtet und durchfährt?
Richard Arnold: Unmittelbar bei der Ausfahrt ist ein Mitarbeiter stationiert. Er meldet den «Flüchtigen» der mobilen Verkehrspolizei und die stoppen ihn dann beispielsweise in Göschenen. Dieses Verhalten wird mit einer Busse bestraft. Es gibt nur ganz wenige Ausnahmen. Dazu gehören die Lastwagen der Baufirmen, welche die Autobahn sanieren. Sie müssen nicht bei jeder Fuhre durchs SVZ.
CLEVER UNTERWEGS: Sie haben jetzt schon zahlreiche Mitarbeiter erwähnt. Wie viele Personen arbeiten im SVZ?
Richard Arnold: Seit der Aufnahme des Vollbetriebes sind es 52 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie führen bis zu 150 Kontrollen nach dem Stichprobenkonzept pro Tag durch. Sie arbeiten im Schichtbetrieb, denn das SVZ ist von morgens um 5 Uhr bis 22 Uhr durchgehend in Betrieb. Aber wir haben auch sprachgewandte Personen welche häufig gebraucht werden, und eine Art «Parkwächter». Sie patrouillieren mit Fahrrädern auf dem Areal, geben Auskünfte und leisten wichtige Einweisdienste, wenn das SVZ wegen einem Vorfall im Gotthard zum Stauzentrum wird.
CLEVER UNTERWEGS: Eine letzte Frage noch: ist dies das einzige derartige Schwerverkehrs Zentrum der Schweiz?
Richard Arnold: Nein – es ist nur das erste und wegweisend für weitere. Denn es ist vom Bundesamt für Strassen (ASTRA) natürlich auch geplant, den Ost-Westverkehr auf ähnliche Weise zu überwachen und mit Stichproben gesetzeswidrige Fahrzeuge oder Fahrer aus dem Verkehr zu ziehen. Es soll sich nicht lohnen, die Verkehrssicherheit in der Schweiz zu gefährden.

CLEVER UNTERWEGS dankt Richard Arnold für die offenen Antworten.
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