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Veröffentlicht am | LKWs & Co.

Der Störprofi flickt sofort

Es soll vorkommen, dass gelegentlich ein grosser Transporter vor einer Haustür abgestellt ist oder neben den offiziellen Parkplätzen steht. CLEVER UNTERWEGS wollte wissen, warum der «Störprofi» manchmal so handelt.

In der ganzen Schweiz bieten Schreinereien, Holz- und Fensterfachbetriebe, aber auch andere Gewerbezweige (Glaser, Medikamenten- oder Zeitungsverteiler) einen «fliegenden» Service an. CLEVER UNTERWEGS wollte wissen, warum diese Profis ihr Auto möglichst nah abstellen.

Wir sind mit einem versierten Störprofi unterwegs. Weil er in der vergangenen Nacht keinen Einsatz hatte, ist er bereits früh unterwegs zum ersten Kunden. «In Urtenen wird ein Quartier mit mehreren Wohnblöcken renoviert. In gewissen Bauphasen muss ich dort fast täglich vorbei, weil sich durch den Einbau neuer Böden plötzlich eine Haustür nicht mehr schliessen lässt oder andere Probleme auftauchen.»

Der moderne Transporter mit Hochdach birgt in seinem Innern ein kleines Geheimnis. Hier ist eine vollständige Schreinerwerkstatt eingerichtet. Schubladenstöcke mit Kleinmaterial wie Schrauben, Türfallen, Schlösser, Fensterriegel, Bänder sind da neben einem Schraubstock, Sägen, Bohrmaschinen, Schleifwerkzeugen, Trenngeräten, Holzplatten und einem weissen Anzug samt Atemschutzmaske gelagert. Der Störprofi sieht meinen fragenden Blick und meint: «So ruhig wie heute ist es nicht immer. Ab und zu werde ich auch von der Polizei gerufen, die vor einer Wohnung steht, aus der Leute einen sehr unangenehmen Geruch wahrgenommen und gemeldet haben. Darum habe ich diese Utensilien immer dabei und breche dann die Tür so sorgfältig wie möglich auf.»

Auf dem Weg zu einem derartigen Einsatz ist unser Störprofi auf seine guten Kenntnisse der Region angewiesen. «Trotzdem fahre ich dann besonders aufmerksam, um die Übersicht zu behalten und – mindestens tagsüber – auf spielende Kinder und Radfahrer zu achten. Das nervt gewisse Autofahrer, die manchmal halsbrecherisch überholen, auch wenn es ihnen nichts bringt», sagt er und ist bereits beim nächsten Kunden in Alchenflüh angekommen. Der Mechanismus an einem Fenster funktioniert nicht mehr. Die ältere Dame erwartet ihn vor dem Haus und erklärt ihm auf dem Weg zur Wohnung ihr Problem. Weil er seinen Job bereits seit 12 Jahren ausübt, erkennt er die Sachlage sofort, holt aus einem seiner Fächer mit einem Griff ein bestimmtes Teil und erklärt: «Wenn ich alte Fenster austauschen muss, nehme ich jeweils einige Teile «an Lager», denn man weiss nie, wann ich froh bin um Ersatzteile, die nicht mehr hergestellt werden.» Nach einer Viertelstunde ist das Fenster wieder ganz leicht zu entriegeln und die Dame sichtlich froh.

«Nun muss ich zwei Strassen weiter noch eine Tür zur Reparatur abholen», erklärt der Störprofi. Dabei fällt mir auf, wie ausgeklügelt er die Fahrstrecke ausgewählt hat um ja keinen Meter mehr zu fahren als nötig: «Die Auftraggeber müssen die Zeit für die Fahrt ebenfalls bezahlen und wenn ich es schlank mache, haben beide Parteien etwas davon. Ich bin rassig da und der Anfahrtsweg wird kürzer.»

Bei der ordentlichen Znünipause erzählt unser Mann noch mehr von seinem Job. Etwa, dass Dienstleistungen bei ihm im Vordergrund stehen, aber Notfälle ebenfalls einen wichtigen Bestandteil der Arbeit ausmachen. «Einmal wurde ich mitten in der Nacht zu einer Bar gerufen – ein Gast hatte mit einem Barhocker die Eingangstüre und ein Schaufenster zertrümmert. Während sich die Polizei um den Delinquenten kümmerte, ersetzte ich die Scheiben durch passende Holzplatten, die ich sorgfältig fixierte, so dass nicht eingebrochen werden konnte.» In dieser Hinsicht ist also der Störprofi ein Notfalldienst, der zu jeder Tages- und Nachtzeit einsatzbereit ist und jenen, die ihn benötigen sehr willkommen ist – trotz seines «grossen» Transporters. Oft haben die Autofahrer ein Problem, wenn sie hinter einem Transporter hinterher fahren müssen, denn er ist breit und versperrt die Sicht nach vorne total. Ihn an unübersichtlicher Stelle oder übertriebener Geschwindigkeit zu überholen kann aber böse Folgen haben. «Das ist genau so – nur auf der Autobahn gibt es meist keine Probleme, weil der Transporter ebenfalls 120 km/h fahren darf.»

Kaum wieder unterwegs, läutet das Mobiltelefon. Unser Störprofi ist via Bluetooth und einem Empfänger im Ohr verbunden, ohne dass er die Hand vom Lenkrad nehmen muss. Eine Kundin möchte, dass er ein schweres Bild an die Wand hängt. Er sieht einen Parkplatz, hält an, nimmt den Notizblock und vereinbart einen Termin mit ihr.

Wie ein alter Bekannter, wird er beim nächsten Kunden empfangen. Der Hauswart in Ittigen kann es kaum verstehen, dass die Verwaltung beschlossen hat, die kaputte Tür im Untergeschoss nicht ersetzen, sondern reparieren zu lassen. «Da kann man nichts machen», meint der Störprofi, denn «wer zahlt, befiehlt.» Er hängt die Tür aus und repariert sie nach allen Regeln der Kunst – natürlich in seiner fahrenden Werkstatt…

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