Alles für den täglichen Bedarf kommt mit dem Lastwagen
Veröffentlicht am | LKWs & Co.

Nutzfahrzeuge sorgen für Lebensmittel-Nachschub

Wie kommen Früchte und Gemüse in den Laden? Dieser Frage sind wir von CLEVER UNTERWEGS nachgegangen und haben bei einem Grossverteiler erfahren, dass es ohne Fahrzeuge unmöglich wäre, jeden Tag frische Ware in den Auslagen zu finden.

In der Verteilzentrale

Es ist ein ganz gewöhnlicher Nachmittag. In der Verteilzentrale (VZ) der Migros Aare in Schönbühl geht es jedoch zu und her wie in einem Bienenhaus. Ein Sattelschlepper nach dem andern bringt Gemüse aus dem Berner Seeland, Früchte aus dem Tessin, dem Wallis, der Ostschweiz und dem Ausland. Bereits beim Gemüsebauern wurden Salate, Rübchen, Kartoffeln, Tomaten und vieles mehr gereinigt und in handliche Kunststoffbehälter abgepackt. Je 32 dieser Behälter werden auf einer Palette gestapelt. Die erntefrische Ware wird im auf rund 5 Grad abgekühlten Zentrum mit Elektrostaplern zur Weiterverarbeitung gebracht. Hier wird die Feinverteilung gemäss den Bestellungen für jeden Laden vorbereitet.

Mittlerweile ist es fast Mitternacht und noch immer herrscht emsiges Treiben in der VZ. Ein neues Team hat die Arbeit aufgenommen und beginnt damit, die Produkte zu kommissionieren, das heisst, den Filialen gemäss Bestellschein zuzuordnen.

Thomas Schenkel von der Migros-Transportlogistik begleitet uns durch die riesigen Hallen, wo die Waren teilweise auf Förderbändern befördert und nach Arten gruppiert werden. Danach werden Gemüse und Früchte gemäss Bestellung auf Paletten zu 32 Behälter aufgeschichtet und per Stapler an den Ladeplatz verschoben. Hier warten bereits Paletten voller Getränke, Milchprodukte und Frischfleisch. Über 80 Motorwagen, Sattelschlepper und Anhänger werden beladen – zuerst die gekühlte Ware im vorderen Teil, dann die übrigen Produkte hinter der abdichtenden Klapptür.

Die erste Tour und zwei Lieferstopps

Es ist vier Uhr in der Früh. Chauffeur Thomas Jöhr tritt seine Tour an. «Sein» Lastwagen steht vor Tor 36, der Anhänger vor Tor 33. Beide sind mit der tonnenschweren Ware für je eine Filiale beladen. Thomas kontrolliert, ob die Paletten richtig gesichert sind und nichts herunterfallen kann. Nun manövriert er den Motorwagen millimetergenau vor den Anhänger, prüft ob Kupplung und Deichsel aufeinanderpassen und setzt die letzten dreissig Zentimeter zurück. Ein kleiner Ruck zeigt ihm an, dass die Deichsel eingerastet ist. Nun schliesst er den Anhänger richtig an: Druckluft für die Bremse sowie Strom für die Beleuchtung und das Kühlaggregat werden angeschlossen. Nach einem Kontrollgang rund um das Fahrzeug speist er das Gerät für die Fahrtenkontrolle und stellt sicher, dass der Kasten für die LSVA (Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe) richtig eingestellt ist.

Es ist 04.12 Uhr und immer noch stockdunkel als Thomas den Federspeicher (die Handbremse bei Lastwagen) löst, der Lastenzug das Areal verlässt und bald zügig auf die A1 in Richtung Zürich fährt. Thomas lässt das Getriebe im Automatikmodus und beschleunigt rasch auf 86 km/h. Der Verkehr ist noch ruhig, nur alle paar Minuten tauchen im Rückspiegel die Scheinwerfer eines Personenwagens auf.

Mir fällt auf, dass der Lastwagen auf dem schlechten Autobahnabschnitt zwischen Egerkingen und Rothrist sehr komfortabel dahinrollt. Thomas: «Der Scania 420 ist luftgefedert, so dass er auch voll beladen viel Komfort bietet. Sein 12-Liter-Reihensechszylinder Turbodiesel leistet übrigens 420 PS und gibt 2100 Newtonmeter Drehmoment bei rund 1200 U/min ab, so schafft er auch Steigungen problemlos.»

Ein gute Stunde später ist die erste Filiale erreicht: Mutschellen. Thomas zirkelt seinen Zug durch ein schlafendes Quartier. Per Fernbedienung öffnet er das Tor vor der Laderampe. Dann manövriert er den Anhänger in einem Zug genau an die Rampe. Mit gekonnten Handgriffen koppelt er den Zweiachsigen Anhänger ab – er wird vom Personal entladen, damit die «taufrischen» Früchte und das Gemüse rechtzeitig zur Ladenöffnung in den Auslagen bereitstehen – und hängt den leeren Anhänger vom Vortag an den Lastwagen.

Schon sind wir wieder unterwegs, jetzt in Richtung Baden. Aus Erfahrung weiss Thomas, dass es bei der nächsten Filiale eng zu und hergeht. Nahe bei der Autobahneinfahrt koppelt er darum den Anhänger in einer Seitenstrasse ab und fährt mit dem prallvollen Lastwagen weiter. Vorbildlich: jedes Mal, wenn Thomas die Kabine verlässt, stellt er den Motor ab. Die Anlieferstelle der nächsten Filiale ist eng. Thomas öffnet die seitliche Laderaumtür und legt sich mächtig ins Zeug. Mit einem HAGAHUWA (Handgabelhubwagen) räumt er die bis knapp 900 Kilo schweren Paletten aus. Gemüse, Früchte, Getränke zuerst, dann die gekühlten Milchprodukte und Fleisch. Schliesslich schiebt er das Leergut, Pet-Flaschen und Karton in den Camion. Anhänger holen und zurück nach Schönbühl.

Die Autobahn ist jetzt gut belegt. Mit weit voraus schweifendem Blick hat Thomas die Strasse im Griff, hält den vorgeschriebenen Abstand zum vorausfahrenden Lastenzug und meint «Wir sind gut im Zeitplan, darum überhole ich nicht».

Kurz nach sieben Uhr trifft er wieder beim Verteilzentrum ein und löscht das Leergut. Dann stellt er Anhänger und Motorwagen vor das zugewiesene Tor, wo beide von Neuem beladen werden.

Die zweite Tour zwischen Bümpliz und Balsthal

Die zweite Tour fährt Thomas nur mit dem Motorwagen, denn das Ziel ist die Filiale in Bümpliz, wo besonders enge Verhältnisse herrschen. So eng, dass er den Laster mit einer grossen Drehscheibe in Position bringen muss. Wieder wechseln Früchte, Gemüse und Getränke ihren Standort. Eine gute Stunde später ist er wieder in Schönbühl und tankt den Motorwagen auf. Thomas muss eine vorgeschriebene Fahrpause einlegen, Zeit für Verpflegung im Personalrestaurant.

Nun werden Lastwagen und Anhänger für die Filialen in Oensingen und Balsthal beladen. Alles spielt sich ähnlich ab, wie bei den vorherigen Fuhren. Allerdings ist die Verlademannschaft in Verzug, weshalb Thomas beginnt, den Lastwagen zu füllen. Jeder Zentimeter wird genutzt, immer drei Paletten nebeneinander.
Dichter Verkehr herrscht auf der Autobahn – trotzdem kann Thomas die für Lastenzüge vorgeschriebene Geschwindigkeitslimite ausnutzen. Ohne den Blick von der Fahrbahn zu nehmen meint er: «In den kommenden Monaten werden die Motorwagen alle durch neuere Modelle mit EURO-5-Motoren ausgetauscht. Diese Norm gilt ab Oktober 2009 für schwere Neufahrzeuge. Sie regelt den maximalen Schadstoff- und Partikelausstoss, ähnlich wie bei Personenwagen.»
Nach dem Anhängerwechsel und dem Ablad des Motorwagens freut sich Thomas bereits auf das Ende der heutigen Tour. Doch dann fährt er auf einen deutlich langsameren Camion auf, setzt den Blinker und wartet geduldig, bis ihn ein Personenwagenlenker ausscheren lässt. Nach wenigen Sekunden ist der Überholvorgang abgeschlossen, so dass die aufschliessenden Personenwagenfahrer nur ein wenig den Gasfuss heben mussten. Wieder in Schönbühl, reinigt Thomas zuerst die verschmutzte Rückseite des Anhängers, bevor er um 14.30 Uhr ausstempelt und sich auf seine Familie freut.

19_AS_Nutzfahrzeuge_809

Diese Reportage wurde in Zusammenarbeit mit der Migros Aare ermöglicht – das Prozedere gleicht aber jenem bei anderen Grossverteilern wie Coop, Denner, vis-a-vis, Spar, Volg, Aldi oder Lidl.

Kommentar hinterlassen

Wir erhalten eine E-Mail mit Ihrem Kommentar. Kommentare werden angezeigt nachdem sie vom Administrator geprüft sind.